Sie werden´s wieder probieren.

 

 

 

 

 

 

 



Zum vertragslosen Zustand mit der SVA vom 1. bis 10.Juni 2010


Dieses gesundheitspolitische Experiment war kein Fall für die Ethikkommission.


Dennoch gab es viele interessante und lehrreiche Selbstoffenbarungen in diesen spannenden zehn Tagen in Österreich.


Nun wissen wir z.B. mehr über die offizielle Einkommenssituation der Mitglieder der Wirtschaftskammer, und es wird uns deutlich, wie attraktiv zwanzigtausend ärztliche Wirtschaftskammerbeiträge für diese Kammer im Verfassungsrang sein könnten. Ein wahrer Leckerbissen.
Daher also der erbitterte Kampf  unserer Standesvertretung gegen ein hostile take over durch die Wirtschaftskammer.

Wir Mitglieder der Ärztekammer haben gut verstanden, wie es uns gehen könnte als Klienten des Herrn Leitl und haben wohlweislich vor seinen betörenden Schalmeientönen für Sonderverträge unsere Ohren fest verschlossen gehalten.
Folgerichtig hat die von der Ärztekammer organisierte Solidarität gehalten:
Wir haben auf die "Bequemlichkeiten" des Ecard-Steckens verzichtet. Und da dies elektronisch lückenlos aufscheint, mussten selbst die mächtige SVA und die mächtige Wirtschaftskammer in Personalunion vor soviel Geschlossenheit des Ärztestandes kapitulieren.
Das ist die harte Währung, die wirklich zählt, in der Demokratie.

Die Reaktionen der Versicherten, die bei allen Bemühungen der Public Relations Abteilungen nicht wussten, wozu das wirklich gut und nötig sein soll, dass sie beim Arzt jetzt etwas bezahlen müssen, gingen in alle Richtungen los.


Letztlich hat sich gezeigt, dass die Bindung zwischen Arzt und Patient doch noch etwas ganz anderes ist , als eine bloße Geschäftsbeziehung zwischen Kunde und Lieferant.

Herr Leitl reduziert uns auf Lieferanten von Dienstleistungen, und das ist eben seine grundlegende Fehleinschätzung.

Er hätte wohl auch zu lernen, dass der Selbstbehalt für SVA Patienten am Existenzminimum eine arg ungerechte Zumutung ist.
Seine Aufgabe ist es, seinen Mitgliedern faire Einkommensverhältnisse zu erwirken und etwas gegen das Prekariat junger Selbständiger zu tun. Stattdessen setzt er als Belohnung für gesundheitsbewusstes Verhalten die Karotte der Halbierung des Selbstbehalts aus.
Ein Hohn.


Das wir ihm dafür nicht auch noch als Handlanger zur Verfügung stehen werden, das versteht sich wohl von selbst.

Es ist natürlich nicht zu erwarten , dass die bekannten Träume einer grundlegenden Systemänderung des sozialen Gesundheitswesens
zugunsten des "zweiten Gesundheitsmarktes" ausgeträumt sind. Aber wir haben es allen ganz deutlich gezeigt, dass dies in einer  solchen Ho-ruck-Aktion nicht leicht möglich ist.

Sie werden´s sicher wieder probieren, und es muss weiterhin ganz genau aufgepasst werden.

PS: Kürzere Wartezeiten sind auch nötig: Aber natürlich für alle Patienten. Denn eine zwei -Klassen-Medizin ist nach wie vor abzulehnen.

 
 

 

Hans-Joachim Fuchs

 

   

 

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